Hund beißt Frau ins Gesicht
Vierbeiner läuft ohne Leine durch Park in der Innenstadt - Tierhalter flüchtet - Polizei fahndet nach zwei Männern
Chemnitz. Erneut ist in Chemnitz ein Mensch durch einen Hund schwer verletzt worden. Eine 31-jährige Frau trug Bisswunden im Gesicht und am Hals davon, als sie am Mittwoch im Park der Opfer des Faschismus von einem freilaufenden Hund angegriffen wurde. Das Tier, dessen Rasse unbekannt blieb, lief mit zwei jungen Männern davon. Nach ihnen sucht jetzt die Polizei.
"Die 31-Jährige war kurz nach 7 Uhr mit ihrem Freund im Park unterwegs. Plötzlich kam ein Hund auf sie zugelaufen und die Frau wollte den Hund streicheln. Dabei biss der Hund der Frau ins Gesicht", zitierte Polizeisprecher Reinhard Walther am Donnerstag aus den ersten kurzen Schilderungen des Opfers und ihres Begleiters. Beide hätten bis am Donnerstagnachmittag noch nicht ausführlich vernommen werden können, so dass noch keine genauere Beschreibung des Hundes und seiner vermeintlichen Halter vorliege.
Die Frau wird in der Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie/Ästhetische und wiederherstellende Chirurgie des Klinikums stationär behandelt. Die Polizei (Telefon 0371 387-2319) sucht Zeugen, die Angaben zu den Hundehaltern machen können.
Rechtsbürgermeister: Sehe mich in meinen Plänen bestärkt
So tragisch der neuerliche Fall auch ist, sieht sich Rechtsbürgermeister Miko Runkel dadurch in seinen Plänen bestärkt, den Leinenzwang für Hunde in der Stadt zu verschärfen. In der neuen Polizeiverordnung will er - gegen den Protest vieler Hundehalter - einen generellen Leinenzwang für Hunde auf allen öffentlichen Flächen festschreiben lassen. Wann der Stadtrat über die Verordnung abstimmen wird, steht noch nicht fest. "Es gibt einfach zu viele Hundebisse, von denen ja nur die schlimmsten bekannt werden", sagte Runkel am Donnerstag. Deshalb werde er bei der Verschärfung des Leinenzwangs nicht locker lassen und sich auch dafür einsetzen, dass seine Einhaltung stärker als bisher kontrolliert wird. "Im Gegenzug werden wir die Zahl der Freilaufwiesen fast verdoppeln", erklärte er, wie die Hundehalter besänftigt werden sollen. "Im Park der OdF als Grün- und Erholungsanlage besteht aber schon jetzt Leinenzwang."
In Chemnitz habe es zuletzt innerhalb von 18 Monaten 47 Anzeigen wegen Hundebissen gegeben. So war im Mai einer 68-jährigen Frau an der Paul-Jäckel-Straße von einem Hund in den Unterarm gebissen worden.
Hundelehrer: Fremde Hunde gar nicht beachten
"Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihnen plötzlich ein Wildfremder auf die Schulter klopft?", versteht Hundeschulbesitzer Viktor Kruglow das Verhalten des Tieres. "Genauso wie Wölfe gehen Hunde von Natur aus Konflikten aus dem Weg. Es sei denn, sie sind verhaltensgestört oder speziell abgerichtet", erläutert er. Bei unerwarteter Annäherung Fremder oder lauten Geräuschen erwache jedoch ihr Schutzinstinkt. Er rät daher, fremde Hunde gar nicht zu beachten. "Den Hund frei laufen zu lassen, war natürlich fahrlässig", stellt er fest.Kommentar
Von Michael Brandenburg
Erschienen am 20.11.2008
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